Gestern war der Baum am Weg noch überwiegend grün, heute leuchten einzelne Zweige gelb. Warum werden Blätter im Herbst bunt? Die kurze Antwort: Der grüne Farbstoff Chlorophyll wird abgebaut. Dadurch treten andere Farben hervor. Rote Farbstoffe können in dieser Phase zusätzlich entstehen. Gleichzeitig bereitet der Baum den Abwurf seiner Blätter vor.
Wer diesen Wechsel einmal bewusst verfolgt, sieht auf der vertrauten Runde plötzlich mehr als eine hübsche Kulisse. Ein einzelner Baum reicht für eine kleine Herbstbeobachtung. Du brauchst weder eine lange Anfahrt noch botanisches Vorwissen.
Gelbe und rote Blätter entstehen auf unterschiedlichen Wegen
Gelb war schon vorher da
Chlorophyll prägt das sommerliche Grün und ist an der Photosynthese beteiligt. Wird es im Herbst abgebaut, werden gelbliche Carotinoide sichtbar, die bereits im Blatt vorhanden waren. Der Baum holt verwertbare Stoffe aus den alternden Blättern zurück und speichert sie für später.
Rot kann neu hinzukommen
Rote Herbsttöne beruhen häufig auf Anthocyanen, die während des Übergangs neu gebildet werden. Die Erklärung „Alle Farben waren schon im Sommer da“ greift deshalb zu kurz. Welche Färbung ein Baum zeigt, hängt unter anderem von seiner Art ab.
Die botanischen Hintergründe beschreibt der Botanische Garten der Universität Mainz. Kürzere Tage und kühlere Nächte gehören zu den Signalen für die Umstellung.
Warum wirft der Baum seine Blätter überhaupt ab?
Sommergrüne Bäume bereiten sich damit auf die ungünstige Winterzeit vor. Am Blattstiel entsteht eine Trennzone, die spätere Ansatzstelle wird geschützt. Laubfall ist also ein gesteuerter Vorgang. Wind kann gelöste Blätter herunterholen, ist aber nicht die eigentliche Ursache des gesamten Prozesses.
Dein kleiner Herbstcheck: Ein Baum, drei Besuche
Suche dir einen gut erreichbaren Laubbaum an einem öffentlichen Weg. Besonders praktisch ist ein Baum, an dem du ohnehin vorbeikommst, etwa auf der Runde zum Park oder beim täglichen Spaziergang. Wähle einen Standort, an dem du gefahrlos stehen bleiben kannst.

Beim ersten Besuch: Beschreiben statt bestimmen
Notiere drei Dinge: Welche Farbe überwiegt? Wo siehst du andere Farbtöne? Liegt schon viel Laub unter der Krone? Wenn du die Baumart nicht kennst, reicht zunächst eine eigene Ortsbeschreibung wie „der große Baum neben der zweiten Bank“. Ein unbekannter Name muss dich nicht vom Beobachten abhalten.
Ein Foto aus ein paar Schritten Entfernung hilft beim späteren Vergleich. Fotografiere beim nächsten Besuch möglichst vom gleichen Platz. Es geht um den sichtbaren Wechsel, nicht um ein besonders spektakuläres Bild.
Beim zweiten Besuch: Die Unterschiede suchen
Kehre nach einigen Tagen zurück. Schau zuerst ohne Handy in die Krone. Sind einzelne Bereiche noch grün? Wirkt der Baum insgesamt heller oder dunkler? Erst danach vergleichst du mit deinem ersten Foto. Ein anderer Lichteinfall kann den Farbeindruck verändern. Schreibe deshalb dazu, ob es sonnig oder bedeckt war.
Beim dritten Besuch: Auch die Lücken beachten
Vielleicht ist die auffälligste Veränderung nun gar keine neue Farbe, sondern mehr sichtbarer Himmel zwischen den Ästen. Notiere auch das. So wird aus einer Reihe schöner Fotos eine kleine Geschichte über denselben Ort.
| Beobachtung | Was du notieren kannst |
|---|---|
| Farbe der Krone | Überwiegend grün, gemischt, überwiegend gelb oder rotbraun |
| Verteilung | Unterschiede zwischen einzelnen Ästen und Kronenbereichen |
| Laub am Boden | Wenig, stellenweise oder flächig unter dem Baum |
| Licht und Wetter | Sonnig oder bedeckt, trocken oder feucht |
Mit Kindern: Eine Frage ist spannender als ein Wissensquiz
Statt sämtliche Baumarten abzufragen, kannst du vor jedem Besuch dieselbe Frage stellen: „Was hat sich seit dem letzten Mal verändert?“ Lass das Kind zuerst selbst erzählen. Vielleicht fällt ihm ein fast kahler Zweig auf, den du übersehen hast. Vielleicht interessiert es sich mehr für die Blattadern als für die Farbe.
Ein Blatt lässt sich auch dort betrachten, wo es liegt. Ihr müsst keine Zweige abbrechen oder Material mitnehmen. Für einen längeren Ausflug mit weiteren Beobachtungsstationen findest du Anregungen im Beitrag über Naturlehrpfade mit Kindern.
Wann lohnt sich die nächste Runde?
Warte nicht auf einen angeblich perfekten Herbsttag. Der Vergleich lebt davon, dass du verschiedene Stadien siehst. Eine kurze Runde heute und derselbe Weg einige Tage später sind dafür interessanter als eine einzige lange Anreise zum vermeintlich schönsten Wald.
Nimm dir für den nächsten Spaziergang einen einzigen Baum vor. Wenn du danach noch Lust auf Bilder hast, helfen dir unsere Ideen zum Fotografieren im Herbstwald mit dem Smartphone. Vielleicht wird aus der kleinen Beobachtung ein Motiv, zu dem du jedes Jahr zurückkehrst.
Gesundwanderer




