Als ihr zum ersten Mal auf dem schmalen Pfad über den Hängen von Meran steht, riecht die Luft nach Heu, die Apfelgärten liegen wie ein aufgeschlagenes Buch im Tal und irgendwo bimmeln Kuhglocken. Auf der gegenüberliegenden Talseite zeichnen sich dunkle Waldkämme ab, darüber schimmern schroffe Gipfel. Genau hier beginnt das Abenteuer Meraner Höhenweg wandern: ein Panorama-Bandweg, der den Naturpark Texelgruppe umrundet und euch Tag für Tag zwischen Almen, Bergbauernhöfen und aussichtsreichen Graten begleitet. Wer eine Wanderung über den Meraner Höhenweg plant, bekommt keine spektakuläre Gipfeljagd, sondern eine Route, die das Beste aus allem vereint: Kultur und Kulinarik, sonnige Südseiten und kühle Nordhänge, stille Seitentäler und Postkartenblicke auf Meran.
Der Meraner Höhenweg in Kürze erklärt
Der Meraner Höhenweg ist ein Rundweg von etwa einhundert Kilometern Länge. Er trägt die Nummer 24, ist hervorragend markiert und umrundet den Naturpark Texelgruppe in einem weiten Bogen. Das Höhenband bewegt sich meist zwischen rund 1.200 und 1.800 Metern, was die Route vergleichsweise schneesicher ab späten Frühling macht, ohne dabei ins Hochalpine zu kippen. Ihr plant je nach Kondition fünf bis acht Tage ein, mit täglichen Gehzeiten zwischen vier und sieben Stunden. Technisch ist der Weg überwiegend leicht bis mittelschwer, einzelne Passagen sind schmal, ausgesetzt oder mit Drahtseilen gesichert. Wer Meraner Höhenweg wandern sagt, entscheidet sich für eine genussvolle Fernwanderung, die trotzdem Trittsicherheit verlangt.
Landschaft und Charakter: Zwei Gesichter einer Runde
Der sanfte Süden
Die Südhänge des Meraner Höhenwegs führen euch über terrassierte Wiesen, durch Mischwälder und an alten Bewässerungskanälen entlang. Diese historischen Waalwege verlaufen fast waagrecht, säumen Kastanienhaine und verbinden verstreute Bergbauernhöfe. Ihr streift an Holzstapeln vorbei, hört Bienen in Kräuterwiesen summen und blickt auf die Obst- und Weingärten rund um Meran. Kulinarisch ist dieser Teil ein Traum: Speck, Käse, Schüttelbrot und, zur richtigen Jahreszeit, Törggelen mit jungem Wein. Wer erstmals eine Wanderung über den Meraner Höhenweg probiert, findet hier entspannte, familiengeeignete Tagesetappen mit vielen Einkehrmöglichkeiten.
Der alpine Norden
Am Nordbogen ändert sich der Ton. Die Hänge werden ruppiger, die Täler tiefer eingeschnitten, die Distanzen zwischen Höfen größer. Ihr quert Geröllflanken, alte Lärchenwiesen, manchmal noch verbliebene Schneefelder im Frühsommer. Das Pfossental mit seinen urigen Höfen wirkt wie aus der Zeit gefallen, und rund um Pfelders im Passeiertal weitet sich der Blick in eine klassische Hochgebirgslandschaft. Dieser Abschnitt ist nicht extrem, er fordert aber Ausdauer und ein gutes Auge für den Tritt. Wer Meraner Höhenweg wandern ernst meint, gönnt sich genau diese Mischung: kultivierte Sonnenseite und kernige Schattenseite.



Die beste Zeit und was das Wetter mitredet
Die Hauptsaison reicht in der Regel von Ende Mai bis Oktober. Im Frühsommer können am Nordbogen Restschneefelder liegen, die bei frühem Start und stabilen Verhältnissen gut passierbar sind, aber Vorsicht und Stöcke verlangen. Im Hochsommer steigt die Temperatur an den Südhängen kräftig an, weshalb frühe Starts und eine ausgedehnte Mittagspause auf einer Alm sinnvoll sind. Typisch sind nachmittägliche Wärmegewitter. Ab September klärt die Luft häufig auf, Fernsicht und stabile Wetterlagen machen den Herbst zu einer idealen Zeit, auch kulinarisch, wenn Kastanien und neuer Wein auf den Tisch kommen.
Etappenplanung: So teilt ihr die Runde sinnvoll auf
Eine sechstägige Variante hat sich bewährt, die ihr je nach Lust verlängern oder verkürzen könnt:
- Tag 1: Dorf Tirol oder Partschins – Giggelberg – Nasereit
Anreise nach Meran, per Bus zur Texelbahn oder zur Hochmuth-Seilbahn, zügiger Aufstieg ins Höhenband, Einrollen zwischen Wiesen und Lärchen. - Tag 2: Nasereit – Pfossental
Längere Querungen, viel unberührte Landschaft, eine Handvoll Höfe, die mit einfachen Zimmern und ehrlicher Küche punkten. - Tag 3: Pfossental – Pfelders
Ein Tag mit Berggefühl, klaren Bächen und Trockenmauern. Pfelders bietet Quartiere von Alm bis Gasthof. - Tag 4: Pfelders – Matatz/Vernaun
Wechsel ins Passeiertal, Waldrücken, aussichtsreiche Balkone über dem Tal. - Tag 5: Matatz/Vernaun – Muthöfe/Dorf Tirol
Einer der genussreichsten Abschnitte mit Blick auf Meran, die Höfekette der Muthöfe ist ein Klassiker. - Tag 6: Auslaufen über die Südhänge
Gemütliche Waalwege, Kastanien und Einkehr. Rückkehr zu eurem Startpunkt.
Natürlich geht das auch inverse. Viele kehren die Runde um, weil sie so den alpinen Nordteil erholt angehen und anschließend gemütlich ausrollen. Ihr könnt zudem jederzeit abbrechen oder einsteigen, denn mehrere Seilbahnen verbinden Tal und Höhenweg: Texelbahn bei Partschins, die Hochmuth-Seilbahn über Dorf Tirol oder die Bahn auf Unterstell bei Naturns. Für Meraner Höhenweg wandern sind diese „Schnittstellen“ Gold wert, wenn das Wetter kippt oder ein Ruhetag lockt.
Highlights, die ihr nicht verpasst
Die 1000-Stufen-Schlucht
Ein Name, der hält, was er verspricht. In dieser Bachschlucht überwindet ihr auf Treppen, Stegen und kleinen Brücken einen wilden Einschnitt. Der Abschnitt ist kurz, aber eindrücklich, und nach Regenfällen rutschig. Achtet auf eventuelle Sperrungen nach Unwettern und plant Alternativen ein.
Die Muthöfe
Oberhalb von Dorf Tirol hängt eine Kette uralter Bergbauernhöfe an der Hangkante, als wollten sie über dem Tal schweben. Hier trinkt ihr Saft von hofeigenen Äpfeln, probiert frischen Käse und schaut dem Licht beim Wandern über die Obstgärten zu. Es ist einer dieser Orte, an denen aus „Wanderung über den Meraner Höhenweg“ pure Daseinsfreude wird.
Pfossental und urige Höfe
Stuben mit dunklem Holz, dicke Steinmauern, draußen prasselt ein Bach. Das Pfossental zeigt, wie Berglandwirtschaft in diesem Raum seit Jahrhunderten funktioniert. Lasst euch Zeit. Wenn ihr hier übernachtet, wacht ihr mit einer Stille auf, die in den Städten längst verloren ging.
Abstecher zu den Spronser Seen
Nein, die Seen liegen nicht direkt am Wegband, doch ein Abstecher lohnt, wenn ihr die Beine spürt und das Wetter hält. Tiefgrüne Wasserflächen in einer kargen Granitlandschaft, Murmeltiere zwischen Blockwerk, in der Ferne hie und da ein Gipfelkreuz. Plant für Hin- und Rückweg einen vollen Tag und startet früh.
Für wen ist der Meraner Höhenweg gedacht?
Wenn ihr Meraner Höhenweg wandern möchtet, braucht ihr keine Klettererfahrung. Gute Grundkondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit genügen. Die Südhänge sind ideal für Bergneulinge und Familien mit wandernden Kindern, weil Wege und Tritt meist gutmütig sind und Einkehrpunkte in kurzen Abständen folgen. Der Nordbogen fordert mehr Ausdauer, längere Passagen ohne Einkehr und stellenweise exponierte Querungen. Wer mit Hunden unterwegs ist, sollte Weidevieh respektieren, weite Bögen laufen, Leinenpflicht beachten und Gatter wieder schließen.
Ausrüstung, die den Unterschied macht
Leichte, aber stabile Wanderschuhe mit Profil sind Pflicht, Stöcke entlasten bei langen Querungen und im Abstieg. Ein atmungsaktiver Rucksack mit Regenhülle, Sonnenschutz, Mütze und dünnen Handschuhen decken die häufigen Wetterwechsel ab. Packt eine leichte Isolationsschicht, eine Hardshell, Stirnlampe, eine kleine Apotheke und genügend Wasser ein. Auf den Südhängen wird es heiß, Brunnen sind nicht überall sicher, daher trinkt vorausschauend. Kartenmaterial oder eine verlässliche Offline-App helfen bei Varianten. In den Unterkünften ist Barzahlung üblich, Reservierungen in der Hochsaison sind sinnvoll, besonders an den Wochenenden.
Kulinarik und Unterkünfte: Von der Stube bis zum Gasthof
Am Meraner Höhenweg trifft Bergkost auf Südtiroler Küche. Schlutzkrapfen, Knödel, Rindssuppe, Almkäse, Speck und hausgemachte Kuchen bringen Energie, die Terrassen liefern Panorama gratis dazu. Übernachten könnt ihr einfach und urig auf Almen, komfortabler in Gasthöfen oder in Bergbauernhöfen mit Zimmern. Wer leicht gehen will, nutzt einen Gepäcktransport, den lokale Anbieter für Teilstücke arrangieren, und wandert nur mit Tagesrucksack. Bucht im Sommer rechtzeitig, wenn ihr eine bestimmte Etappe fix geplant habt.
Anreise, Startpunkte und Logistik
Meran ist euer Drehkreuz. Mit Bahn und Bus erreicht ihr Dorf Tirol, Partschins, Naturns oder Saltaus schnell. Parken ist an den Talstationen der Seilbahnen möglich, doch nachhaltiger und stressärmer ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Für den Einstieg sind die Bergstationen von Texelbahn, Hochmuth oder Unterstell ideal, weil ihr sofort im Höhenband steht. Die Runde lässt sich in beide Richtungen gehen. Wer zu Beginn Respekt vor der Länge hat, testet eine Tagesetappe: morgens mit der Bahn hinauf, am Nachmittag wieder ins Tal schweben, einkehren, planen, zurückkehren.
Sicherheit unterwegs
Auch ein Höhenweg kann ernst werden. Nasse Wurzeln, feuchte Platten, lose Steine in Querungen sind Klassiker. Verlasst euch nicht auf Wetterapps allein, achtet auf Wolkenbilder und Wind. Bei Donner kehrt ihr um oder sucht Schutz in einer Hütte, metallene Stege und Gratkanten sind dann tabu. Nach starken Gewittern können Stege und die 1000-Stufen-Schlucht temporär gesperrt sein; respektiert Sperrungen und informiert euch morgens über aktuelle Hinweise. Wer allein unterwegs ist, meldet Etappenziele und nutzt Hüttenbucheinträge.
Drei Tagesvorschläge zum Kennenlernen
Muthöfe-Rundtour
Mit der Hochmuth-Seilbahn hinauf, dann auf dem Meraner Höhenweg über die Höfekette, Einkehr nach Geschmack, weite Blicke auf Meran und das Etschtal. Zurück wahlweise zu Fuß über Waldpfade oder per Bahn ins Tal. Ein halber bis dreiviertel Tag, ideal zum Ankommen.
Texelbahn – Giggelberg – Nasereit und retour
Ihr startet an der Texelbahn, schlendert zunächst sanft an Wiesen entlang, dann hinein in stillere Waldpassagen. Bei Nasereit stärkt ihr euch, bevor ihr auf gleichem Weg oder über eine leichte Variante zurückkehrt. Ein genussreicher Tag ohne Hektik.
1000-Stufen-Schlucht von Kuens
Per Bus nach Kuens, zu Fuß auf den Höhenweg, hinein in die Stufenschlucht, danach Einkehr auf einem Hof mit Terrasse. Wer mag, verlängert Richtung Vernuer und steigt später nach Riffian ab. Der Mix aus Schlucht, Wald und Höfen zeigt in wenigen Stunden, warum Meraner Höhenweg wandern so beliebt ist.
Tipps, die man erst unterwegs lernt
Nehmt den ersten Tag locker. Ein geerdeter Einstieg macht euch widerstandsfähiger für das, was kommt. Startet früh, nicht nur wegen der Temperaturen, sondern auch wegen des Lichts. Das Tal unter euch erwacht langsam, die Farben sind klar, die Fotos gelingen von selbst. Plant Puffer ein: Ein Hof mit Aussicht und guter Küche ist kein Durchmarschpunkt, sondern ein Geschenk. Und wenn euch die Beine am vierten Tag bitten, auszusetzen, ist ein Ruhetag im Tal kein Verrat an der Runde, sondern kluge Etappenökonomie.
Wer jetzt eine Wanderung über den Meraner Höhenweg plant, darf sich auf einen Weg freuen, der Schritt für Schritt erzählt, wo ihr unterwegs seid: über den Fleiß der Bergbauern, über Wasser, das in Holzrinnen leise neben euch läuft, über Felsflanken, die im Abendlicht warm werden. Ihr nehmt von dieser Runde nicht nur Kilometer mit, sondern ein Gefühl für ein Land, das unten mediterran und oben alpin ist. Meraner Höhenweg wandern heißt, diesen Wechsel bewusst zu erleben und am Ende zu spüren, wie sehr euch ein gut gelegter Weg tragen kann.